Der Komponist schreibt selbst zu seinem Werk:

Auf der Suche nach einem Text für die Komposition stieß ich auf ein Gedicht von Else Lasker-Schüler … sie - in den 1930er Jahren aus Deutschland emigriert - lebte am Ende ihres Lebens ab 1941 während der Katastrophe des 2. Weltkriegs in Jerusalem ... allein ... einsam ... verarmt ... hoffnungslos ...Der Text ist ein Fragment ... an einigen Stellen ist dies nicht zu übersehen ... ich habe ein Foto des Originalmanuskriptes, an dem man sehen kann, wie die Autorin an ihren Worten feilt und verbessert … durchstreicht ... darüberschreibt ... ergänzt ... ein Abbild des Schöpferischen Schaffens ... um Worte und Ausdruck ... und um das Bestmöglichste Wahrhaftigste ringend ... das hat mich beeindruckt ... natürlich vor allem ihre Zeile "Wir können nicht mehr schlafen in diesen Nächten" ... wie nah ist sie mir da ... !
... dies macht für mich den Text so aktuell ... so zeitgemäß, ja zeitnah empfindbar für uns heute! ... was umgibt uns nicht alles ... die Welt, in der wir aktuell leben, ist in größter Unordnung ... Kriege ... fehlende Humanität ... Globalisierungs-Irrsinn ... die Dominanz des ökonomischen Denkens ... das Ausbeuterische nur am evaluierbaren Zweck interessiert ... das Schwinden und Erodieren von Kunst und Kultur ... von Religion - wobei dabei die christliche meine - ... von Tiefe und Tiefgang ... der "Götze" alles ohne Aufwand und Einsatz zu bekommen - sofort, schnell, unkompliziert - ... beherrscht die Weltsicht so vieler Zeitgenossen! ...
... und dann die Idee, dass Gott in jedem Menschen „wohnt" ... in uns - im Herzen - einen Platz hat … wirklich da ist ... und so wird natürlich die Vorstellung total verständlich: "Wer seinen Nächsten tötet … tötet auch Gott" ...
Das Fragmentarische erfordert schon eine gewisse
Beschäftigung mit den Worten Else Lasker-Schülers, aber gerade dieses Herumsuchen und das Eindringen in das Geheimnis ihrer Worte evozieren geradezu eine Umsetzung in meine Klänge ...
Rolf Rudin, im Dezember 2025
... und noch ergänzend ...
Der Text von Else Lasker-Schüler changiert zwischen Gebet, Reflexion und dichterischem Bekenntnis. Er beschäftigt sich mit der Menschheit und dem Wert des Individuums. Ein einziger Mensch besitzt eine eigene Welt, Geschichte, Tiefe - so umfassend, dass er einem ganzen Volk gleichkommt. Im mystischen jüdischen Denken hat jeder Mensch ein eigenes „Universum", eine Seele mit kosmischer Bedeutung. Der einzelne Mensch ist einzigartig! Für Else Lasker-Schüler entsteht "Volk" nicht nur durch Masse, sondern durch die Tiefe einzelner Menschen.
