Der persönliche Kontakt zum Komponisten Rolf Rudin zwischen Raimund Wippermann und von ihm geleiteten Chören - seinerzeit der Mädchenchor am Essener Dom, heute der Konzertchor Sång – besteht seit 2001:
amj-Kompositionsauftrag 2001
Damals nahm der Mädchenchor am Essener Dom am Projekt „Komponisten schreiben für Kinder- und Jugendchöre“ teil, das der Arbeitskreis Musik in der Jugend (amj) seinerzeit über mehrere Jahre durchführte.
Die Idee war, Komponistinnen und Komponisten mit Kinder- und Jugendchören zusammenzubringen und so der Chor-Szene durch neue, gut singbare Kompositionen wichtige Impulse zu geben. Der Kompositionsauftrag lautete damals: „Schreiben Sie ein Stück mit einer Dauer von bis zu 10 Minuten, das für Kinder- und Jugendchöre unterschiedlicher Leistungsstufen gut aufführbar ist.“ Im Rahmen dieses Projekts kamen im Jahr 2001 Rolf Rudin und der damals von Raimund Wippermann geleitete Mädchenchor am Essener Dom zusammen.
Die Zusammenarbeit 2001
Rolf Rudin besuchte, bevor er mit der Kompositionsarbeit begann, mehrere Proben des Chores und sprach dabei auch mit den Sängerinnen im Alter zwischen 6 und 20 Jahren: Welche Erwartungen hatten sie an die Komposition? War wirklich eine geistliche Komposition erwünscht? Konnten sie sich mit seiner Idee, eine Komposition zum Thema „Licht“ zu schreiben, anfreunden?
Nach dem Besuch der Proben telefonierten Rolf Rudin und Raimund Wippermann mehrere Male miteinander, und dabei schilderte Rudin die Problematik, vor die er sich gestellt sah: „Soll ich den Kompositionsauftrag des amj erfüllen und ein Stück schreiben, das möglichst viele Chöre singen können, oder soll ich, wenn ich einen Chor dieser Qualität zur Verfügung habe, eine Komposition schreiben, die die Möglichkeiten, die dieser Chor mir bietet, bestmöglichst ausnützt?“
Am Ende standen mit „Weg zum Licht“ und den „Irischen Segenswünschen“ zwei jeweils 7-sätzige Kompositionszyklen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.
Irische Segenswünsche
Die Irischen Segenswünsche vertonen in 7 Kompositionen aus dem Englischen ins Deutsche übertragene irische Segenswünsche. Sie sind 3 - 6-stimmig und in ihrer kompositorischen Struktur so gebaut, dass sie mit entsprechender Probenmethodik auch mit weniger geübten Kindern und Jugendlichen gut zu erarbeiten sind. Die einzelnen aufführbaren Stücke haben eine Aufführungsdauer von 3 - 4 Minuten.
Der Komponist schreibt selbst zu diesen Stücken:
Die berührenden und farbigen Segenswünsche aus der irischen Tradition regten mich zu diesem Zyklus für Frauenchor a cappella an. Entstanden sind in Faktur und Klang ganz unterschiedliche Stücke, die selbstverständlich auch einzeln oder in individueller Auswahl gesungen werden können.
Der äußere Anstoß für das Entstehen des Werkes war die mit einem Kompositionsauftrag verbundene Einladung zur Mitarbeit am Projekt "Komponisten schreiben für Kinder- und Jugendchöre" des amj im Jahre 2001, die mich mit dem wunderbaren Mädchenchor am Essener Dom und seinem Leiter Raimund Wippermann zusammenbrachte. Aus dieser intensiven Zusammenarbeit gingen 2001 auch noch zwei weitere Werke für Mädchen-/Frauenchor hervor: Einmal der sehr umfangreiche und komplexe siebenteilige Motettenzyklus "Weg zum Licht" nach geistlich-spirituellen Texten, op. 61, und ein ruhig kontemplatives Klangstück mit dem Titel "WORLD - WHY - DIE ?", Gedenkminuten für die Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten von Amerika für Frauenchor a cappella, op. 63.
Weg zum Licht
„Weg zum Licht“ ist ebenfalls ein Zyklus mit 7 Sätzen, aber er ist in vieler Hinsicht komplexer als die „Irischen Segenswünsche“:
Bereits die Zusammenstellung der Texte ist eine sehr durchdachte „Komposition“, denn die biblischen, lyrischen und vom Komponisten selbst verfassten Texte beziehen sich aufeinander, und in ihrer Anordnung entfalten sie großengedanklichen Bogen.
Die musikalische Sprache ist deutlich komplexer: Die Musik entfaltet sich von der 3-Stimmigkeit bis hin zur 24-Stimmigkeit, und komplexe Akkordschichtungen und dissonanzenreiche Passagen stellen hohe Anforderungen an den Chor.
Die Aufführung des gesamten Zyklus dauert knapp 40 Minuten.
Die musikalische Komposition
Die musikalische Komposition ist vollkommen auf die Struktur und das damalige Leistungsvermögen des Chores zugeschnitten:
Der Mädchenchor am Essener Dom hatte damals mit Vor-Chor, B-Chor und A-Chor drei Alters- und Leistungsstufen; dabei wurden im Vor-Chor die Sängerinnen auf die Arbeit mit anspruchsvoller Kunst-Musik vorbereitet, ohne bereits bei Gottesdiensten und Konzerten mitzuwirken. Im B-Chor sangen Mädchen im Grundschulalter, im A-Chor Mädchen ab der weiterführenden Schule.
Rudin komponierte sehr gezielt für den B- und A-Chor: Die (jüngeren) B-Chor-Sängerinnen erhielten dabei maximal 3-stimmige und in ihrer Faktur gut überschaubare Partien. In den A-Chor-Passagen entfaltete sich die Musik bis zur 21-Stimmigkeit – zusammen mit einem 3-stimmigen B-Chor also bis zur 24-Stimmigkeit.
Die Musik von Rolf Rudin ist immer – d.h.: auch an sehr komplexen Stellen – außerordentlich gut singbar, weil alles durch und durch vokal empfunden und komponiert ist. Das hat zu Folge, dass die Sängerinnen des Mädchenchores am Essener Dom diese Stücke immer sehr gerne und mit großer Freude gesungen haben. Und an der Bewältigung der Schwierigkeiten sind sie sowohl musikalisch als auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung sehr gewachsen.
Notenbeispiele - damals noch nicht im Computersatz
Klangbeispiele
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Mehr Informationen11. September 2001
Für viele Sängerinnen, die damals mit der Erarbeitung dieser komplexen Komposition beschäftigt waren, verbindet sich mit dem 11. September 2001 eine Erinnerung besonderer Art:Der 11.09.2001 war der Tag der Terroranschläge in Amerika, der Tag, an dem die Twin Towers in New York durch Flugzeuge attackiert und zum Einsturz gebracht wurden. An diesem Tag begannen wir damals mit der Einstudierung des „Lichter fallen mir ein“ überschriebenen 3. Satzes. Auf den Umschlagblatt seiner Handschrift hatte der Komponist ein Foto mit der Skyline von New York geklebt: Der nicht enden wollende Lichterglanz dieser Stadt, der aber ohne Sinn ist und die Menschen deshalb nach dem wahren, dem Leben Sinn gebenden Licht suchen lässt – dies war der Gedanke, der ihn zu dieser Komposition inspiriert hatte.
