World – Why – Die? | Eine Komposition zum 11.09.2001

Unter dem unmittelbaren Eindruck der schockierenden Anschläge vom 11. September 2001 in Amerika entstand die Komposition 

"World - Why - Die ?"

Der Komponist schreibt zu diesem Werk:

Aus der Betroffenheit und inneren Anteilnahme mit den Opfern von 9/11 heraus entstanden - quasi als innere Bewältigung dieser Katastrophe - diese Gedenkminuten. Die Idee zu diesem Stück entstand unmittelbar unter dem Eindruck der Katastrophe. Schon in der ersten Nacht danach verfolgten mich immer wieder die Schreckensbilder, denn immer wieder sah man diese im Fernsehen. Immer die gleichen Bilder. Und immer wieder war man schockiert, fassungslos, - das Ereignis ließ nicht los. Die permanent sich wiederholende Konfrontation damit hatte etwas Zermürbendes. Man konnte sich diesen Eindrücken gar nicht entziehen. So entstand das Stück wirklich als eine Form der persönlichen Bewältigung, der seelischen Arbeit mit diesem apokalyptischen Szenario.

Was kann man da aber für eine Musik schreiben? Eigentlich nur eine Art von "Unmusik", also Musik ohne "Leben", ohne die vitale Grammatik eines künstlerischen Organismus, eine Musik in immer gleichem Rhythmus, mit immer gleichem unabänderlichen Pulsschlag, eine Musik, der ein immer gleiches Klangprinzip zugrunde liegt, eine Musik mit immer gleichem Strukturprinzip.
Eine Quartparallelen-Harmonik, Anleihen der mittelalterlichen Organumtechnik, versinnbildlichen harmonisch-strukturell in ihrer recht starren Anwendung ebengenannte Gedanken. Ein langer Nachhall des Aufführungsortes ist mitgedacht, mitgehört. Eine Akustik ist gewünscht, die den Klang trägt, die den Klang sich entwickeln läßt, so wie eben auch die Musik der Organa dieser Akustik bedarf. Es ist dies die Akustik von großen Kathedralen. Auch das World Trade Center war ja in einer speziellen modernistischen Art und Weise auch so etwas wie eine Kathedrale. Hier kamen viele Menschen zusammen, um Gemeinsames zu tun - und sei es auch, um nur der "Ersatzreligion Wirtschaft" zu huldigen.

In meinem Stück versuchte ich auch, einen solchen kathedralartigen Klangraum zu schaffen. Auch hier verharren die Klänge über einen längeren Zeitraum und klingen nach. Dieser Klangraum ist, wie schon erwähnt, streng organisiert, streng strukturiert. Er wirkt statuarisch fest aufgrund seiner starren Konstruktion. Klangtürme "knirschen" hier aneinander vorbei: Man könnte also von einer "zerknirschten" Harmonik sprechen. Aber - entsteht dabei nicht auf einmal ein Klangraum meditativer Ruhe und Stabilität, ein Klangraum, ja ein Gedankenraum, der uns alle umgeben und schützen kann, während wir frei unseren Gedanken, unseren Eindrücken nachsinnen? Ein Choral - um Frieden bittend - erscheint schon recht früh im Verlauf des Stückes in abwartender, geduldiger Ruhe, führt aber letztlich nicht in eine Hoffnung hinein. Alles Drängen wird sinnlos angesichts der Zäsur unserer uns umgebenden "neuen" Realität. Am Ende des Stückes trägt dann der lange Schlusston den Friedenswunsch mit der eigentlich unbeantwortbaren Frage "Why?" in den spirituellen Raum und damit in die Welt.

Rolf Rudin

Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage unserer Welt wählten wir dieses Stück für unser Programm "World - Why - Die ?", das wir im Mai 2026 in zwei Konzerten zu Gehör bringen.

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